Die militärhistorische Studien- und Erlebnisfahrt 2010 der deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. 1898
Literarische Gedanken
von Ute Kaiser
Fast hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg kann man sich kaum vorstellen, was für schreckliche und erbitterte Kämpfe dort stattgefunden haben, wenn die liebliche Landschaft an einem vorüberzieht.
Unter dem Eindruck der vielen Schlachtfelder und Soldatenfriedhöfe werden die realistischen und ergreifenden Schilderungen der Kämpfe von Ernst Jünger (1895-1998) in seinen Kriegstagebüchern In Stahlgewittern zur traurigen Wahrheit.
Beim Anblick der sanften Hügel, kleinen Wälder, Wiesen und Felder der Picardie, auf denen die Mohnblumen von Juni bis August verschwenderisch blühen und so zum Symbol für alle gefallenen Soldaten und Vermissten des Krieges wurden, kam mir das Lied in den Sinn, welches von Marlene Dietrich eindrucksvoll interpretiert wurde.
In Auszügen:
Sag mir wo die Blumen sind Wo sind sie geblieben. Sag mir wo die Blumen sind Was ist gescheh'n… Sag mir wo die Männer sind… Zogen fort der Krieg beginnt… Sag mir, wo die Soldaten sind… Über Gräbern weht der Wind. Wann wird man je verstehn, Wann wird man je verstehn.
In Saint Quentin wohnten wir sehr zentral im Hotel Ibis und schauten auf den Place de la Basilique mit der imposanten gothischen Kathedrale, die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert erbaut wurde. Auch sie wurde im Ersten Weltkrieg zum Teil zerstört. Sie erhielt erst 1983 ihren Glockenturm zurück und man kann aus Friedrich Schillers Gedicht Die Glocke zitieren, in dem es nach erfolgreichem Glockenguss heißt:
Jetzo mit der Kraft des Stranges Wiegt die Glock' mir aus der Gruft, Daß sie in das Reich des Klanges Steige, in die Himmelsluft! Ziehet, ziehet, hebt! Sie bewegt sich, schwebt! Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute.
Natürlich haben auch viele bildende Künstler den Ersten Weltkrieg in verschiedenen Techniken dargestellt, darunter Holzschnitt, Grafik und Malerei. Otto Dix ist mit vielen seiner Werke im Militärmuseum Péronne vertreten.
Kurt Tucholski hat diesem Krieg 1925 einen kleinen Aufsatz gewidmet Der Telegrammblock. Ein Auszug:
„...was weiß die junge Generation von den Schrecken des Krieges – wer sagts ihr so oft, wies nötig ist: also immer wieder? ...Es gibt ein geistiges Mittel, es ist das Rezept Victor Hugos: ‚Déshonorons la guerre!’“
(Übersetzung von der Verfasserin: Entehren wir den Krieg)
Auch in den verschiedenen Porzellanmanufakturen und -fakriken sowie der Spielzeugindustrie wurden Exponate mit Hinweis auf den Ersten Weltkrieg produziert: Zum Beispiel Porzellanteller mit Bildern von Lagern für französische Kriegsgefangene sowie Puppenservice-Butterdosen mit der Aufschrift Aus den Kriegjahren 1916/17.
Wie immer verlief die Herbstfahrt im Kreise netter Freunde und Bekannter sehr harmonisch und trug zur Bereicherung bei. Mein Mann und ich denken gerne an diese Heereskunde-Fahrt in Frankreich zurück.
Von Römern, Germanen, Generalseichen und Schillschen Offizieren
Die militärhistorische Studien- und Erlebnisfahrt 2009 der deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. 1898
von Dr. W. Bartenstein
Vorweg: Die Reise war durch die Herren Lipp und Peldszus wieder hervorragend organisiert worden, die auch an den Übernachtungsorten Höxter und Borken jeweils die abendlichen Einführungsvorträge hielten.
Wir lernten die meist weniger bekannten Schlachten des Siebenjährigen Krieges im Westen Deutschlands kennen. So am ersten Tag die Gefechteum Kassel (Gefecht bei Sandershausen am 23. Juli 1758; bei Lutterberg am 10. Oktober 1758 und die Schlacht bei Korbach 1760).
Die ausgiebige Schlachtfeldbesichtigung zeigte uns z. B. den Gedenkstein für den Prinzen Casimir v. Isenburg und seine tapferen Hessen. Gekrönt wurde dieser erste Tag mit der Führung durch das Residenzschloß Arolsen.
Es folgte der zweite Tag mit der Darstellung des Siebenjährigen Krieges im Wesertal (Schlachten bei Hastenbeck und Minden) mit Besichtigung des Preußenmuseums in Minden und der Porta Westfalica.
Ein Tag war der „Varusschlacht“ mit Besichtigung des Hermanns-Denkmals und der Ausgrabungsstätten Kalkriese gewidmet. Mit Verblüffung musste der Verfasser in einem Einführungsvortrag (der auch so vor Schulklassen gehalten wird) zur Kenntnis nehmen, dass die Römer nach Germanien gekommen sind, „um den Germanen Kultur zu bringen und mit den Stämmen Freundschaftsverträge abzuschließen“. – Als „gelernter DDR-Bürger“ fühlte sich der Verfasser in alte Zeiten zurückversetzt ob dieser Geschichtsdarstellung – schließlich hat man doch seinen Tacitus gelesen!
Deshalb war es wohltuend, am letzten Ausflugstag das neue und didaktisch sehr gut aufgebaute Römermuseum in Xanten kennen zu lernen. Weiter lernten wir durch Herrn Ortenburg die Schlacht von Vellinghausen (1761) und später eine Episode aus dem Dreißigjährigen Krieg, die Schlacht im Lohner Bruch (Stadtlohn 1623) kennen.
Gar mancher museale Leckerbissen lag an der Strecke, ich denke an das Garnison-Museum der Bundeswehr in Augustdorf, die einzigartige Sammlung aller Kavallerieuniformen der Kaiserzeit vor 1914 im Wasserschloss Vornholz (s. Bild) und ein kleines Museum der frühen militärischen Luftfahrt in Ellerwick.
Viele Teilnehmer haben sich mit Vorträgen oder der Darbietung zugehöriger Militärmusikbeteiligt.
So wurde die Fahrt ein Erlebnis mit hohem historischem und kulturellem Bildungswert. Die erlebte Kameradschaft und freundliches, unkompliziertesAufeinander-Zugehen zeichnen diese Fahrt besonders aus.
Der Verfasser würde sich deshalb innerhalb und außerhalb unserer Gesellschaft mehr Zuspruch wünschen für diese Fahrt, zumal sie so angelegt ist, dass auch „Normalverbraucher“ bei Interesse und Neigung –und dem Sinn für das Großartige unserer Geschichte und Landschaft – zufrieden sein können.
Mit einem Blick auf das Denkmal für die in Wesel erschossenen Schillschen Offiziere endet unsere Fahrt und auch dieser kleine Bericht.
Die militärhistorische Studien- und Erlebnisfahrt 2008 der deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. 1898
Die militärhistorische Studien- und Erlebnisfahrt 2008 der deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. 1898
Die wie immer hervorragend und detailliert von Hans Lipp und Jens Peldszus vorbereitete und erkundete Herbstfahrt der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. führte uns in 2007 mit zwei Themenschwerpunkten in den Osten Frankreichs
„Das Elsass im Krieg 1870/71 und im 1.Weltkrieg“.
Ausgangspunkt nach der Anreise war das gepflegte „Hotel zur Pfalz“ in KANDEL, südwestlich von KARLSRUHE. Unser „Basislager“ war das Hotel „ Turenne“ in COLMAR, mitten im zauberhaften Elsaß.
Die Altstadt ist ein wahres Freilichtmuseum des Fachwerkbaus und spätmittelalterlicher
Architektur. Versteht sich, dass man dieses Schmuckstück höchstens bei Regen für sich allein hat.
Doch der Reihe nach. Gleich nach der Grenzüberquerung am nächsten Tag in LAUTERBOURG erlebten wir den ersten Schwerpunkt des Jahres 1870. Den Erkundungsritt des Rittmeister Graf Zeppelin, dem späteren General und Erbauer der berühmten Luftschiffe, und seiner 11 Dragoner, die in der Frühe des 24.Juli im pfälzischen Dorfe HAGENBACH zu Pferde aufbrachen, um das Gebiet zwischen LAUTER und MODER bis in Richtung WÖRTH auszukundschaften und um zu erfahren, wo sich das französische Armeekorps des Marschalls Mac Mahonzusammenziehe. Wir folgten ihren Ritt durch das Land.
Es war ein verwegener Ritt dieser Dragoner im Feindesland. Hans Lipp trug detaillierte Geschichten und Anekdoten wie immer umfassend und spannend an den jeweiligen Orten in allen Einzelheiten vor – wir fühlten uns, als wären wir selbst Dragoner und mittendrin. Das Ergebnis der Erkundung:
Lt.Winsloe fiel bei ihrem „Husarenritt“, andere kamen in Gefangenschaft. Rittmeister Graf
Z eppelin schlug sich ohne Pferd zur Grenze durch und konnte der
H eeresleitung vermelden, dass Mac Mahon noch keine Truppen für eine Offensive vorbereitet hat.
Anschließend wurden die Schlachtfelder WEIßENBURG und WÖRTH der im August folgenden Schlachten ausgiebig besichtigt und von uns hinterfragt.
Hier verteidigte sich die Deutsche 3.Armee unter Oberbefehl des Kronprinzen mit dem unterstellten 11.Bayr. Armeekorps des Generals der Infanterie Ritter von Hartmann, dem V. Armeekorps unter Generalleutnant von Kirchbach und dem XI. Armeekorps Generalleutnant von Bose gegen erbittert angreifende französische Truppen. Es war die erste große und verlustreiche Schlacht, die im August 1870 im Elsaß tobte.
Während sich die 4.Bayr.Division im Norden gegen die Turkos (1.Tiralleurs-Regiment), braune Wüstensöhne aus den afrikanischen Kolonien, festfuhr und fast aufgerieben wurde, konnte das V. Armeekorps (Generalleutnant von Kirchbach) gegen den Befehl des Kronprinzen mit seiner 20.Infanteriebrigade und unter massiver Artillerieunterstützung die schwer angeschlagenen Deutschen entsetzen und die Höhen westlich WÖRTH unter großen Verlusten nehmen. Generalleutnant von Kirchbach wurde von seinen Soldaten wegen seiner taktischen Meisterleistung als „Held von WÖRTH“ gefeiert. Sehr spät kehrten wir in unser „Basislager“ zurück. Ein sehr erlebnisreicher Tag ging zuende.
Der zweite Teil von 1870 führte uns nach NEU-BREISACH, einer linksrheinisch gelegenen Kleinstadt, zwischen dem Rhein und COLMAR, einer noch heute gut erhaltenen und unter Denkmalschutz stehenden Festungsstadt, angelegt von dem berühmten Kriegsbaumeister VAUBAN. Ein achteckiger Festungswall in mitten riesiger Grünanlagen umgibt den Kern der Stadt, in der die Häuser nicht über den Festungswall hinaus ragen durften. 2400 Einwohner leben noch heute in der sehr gepflegten kleinen Stadt, die nur über vier überwölbte Tore mit einer Breite von 3,7 Meter und einer Länge von 32 Metern erreichbar ist. Eine ausführliche Führung durch die Festungsanlagen und mit viel Liebe und Stolz angelegtes umfangreiches Museum mit anschließender Kirchenbesichtigung bildeten einen weiteren Schwerpunkt unserer Reise. Mit einen Überblick über die Beschießung von FORT MORTIER und einem Stopp am Grenzlandmuseum HEITERSHEIM endete unsere Exkursion über den 1870 er Krieg im Elsaß.
Jetzt stand das Oberelsaß 1915 auf dem Programm.
Über SENNHEIM zur 1.Schlacht bei MÜHLHAUSEN nach DAMMERKIRCH zur Beschießung des Eisenbahnviadukt mit dem 420 mm Mörser M 12, der mit einem Eigengewicht von 150 Tonnen von Krupp hergestellt und auf 10 Eisenbahnwaggon verladen, in WALLHEIM in Stellung gebracht wurde.
Hans Lipp und Jens Peldszus (unser „Waffenspezialist“) erläuterten vor Ort anschaulich, wie dieses Monstrum in nur 4 Tagen feuerbereit aufgestellt wurde und das riesige Eisenbahnviadukt bei DAMMERKIRCH durch Volltreffer zerstörte.
Der 4.Tag zeigte uns in den Vogesenkämpfen 1915 die ganze Grausamkeit eines Krieges. Wir besichtigten die Orte der Stellungskämpfe auf dem HARTMANNSWEILERKOPF (956 m) und LINGEKOPF/SCHRATSMÄNNLE (1045m), wo um jeden Meter Boden über ein Jahr lang und unter sehr hohen Verlusten gekämpft wurde, ohne das es Sieger oder Verlierer gab. Ein absolut unsinniger Kampf, der von beiden Seiten auch gegen einen dritten Gegner – Regen, Schnee, Frost und Hunger – geführt werden musste.
Das großzügig angelegte Museum am HARTMANNSWEILERKOPF veranschaulicht deutlich das Unmenschliche lang anhaltender Stellungskämpfe.
Auf dem GROßEN BELCHEN folgte dann bei strahlenden Sonnenschein unser Feldlager mit umfassender Versorgung.
Obwohl die Kämpfe 1870/71 und 1914/15 im Elsaß nur Randkriegsschauplätze waren, wurde doch einerseits die Grausamkeit eines jeden Krieges uns Reisenden verdeutlicht, anderseits aber auch der Glaube und das Nationalbewusstsein der französischen Bürger, die ihre Erinnerungen an Sieg und auch an Niederlagen durch Denkmäler, Gedenkstätten, Museen und sehr gepflegte Friedhöfe für alle gefallenen Soldaten sorgfältig hegen und pflegen.
Für mich als Teilnehmer an dieser Reise ein guter und anschaulicher Beitrag zur Völkerverständigung.
Der letzte Tag im Elsaß wurde uns durch einen ausgiebigen Stadtbummel durch STRAßBURG versüßt. Als Inbegriff STRAßBURG und zugleich als eine der schönsten Schöpfungen gotischer Baukunst gilt das Münster. Im Kircheninnern umfängt uns Besucher sogleich geheimnisvolles Dämmerlicht, in dem die mittelalterlichen Kirchenfenster farbenkräftig glühen. Kunstvoll gebündelte Säulen, Spitzbogenarkaden zwischen den drei Schiffen und die unglaublich hohen Kreuzrippengewölbe des Mittelschiffs verkörpern das Ideal der himmelwärts strebenden gotischen Baukunst. Aber man kann das Gesehene nicht wiedergeben, man muss es selbst sehen und bewundern.
Aber STRAßBURG ist kein billiges Pflaster. Ein Blick in die Schaufenster lässt es deutlich erkennen. Naja, eben eine europäische Parlamentsstadt.
Die Vielfalt STRAßBURG, dass enorme kulturelle und kirchliche Angebot, die kleinen mittelalterlichen Gassen mit ihren Fachwerkhäusern und der „Fosse du Rempart“, der alte Festungsgraben, der die Altstadt umgibt, alles eine Augenweide.
Mit STRAßBURG wurden eine sehrerlebnisreiche aber auch sehr anstrengende Reise abgerundet.
Die Quintessenz der Herbstreise 2007 – wir freuen uns heute schon auf die Herbstfahrt 2008.